Fristverlängerung per Facebook-Bot

Am Montag, 2 Tage vor Ablauf der Frist zur Einreichung der Steuererklärung am 31. Mai, haben wir von smartsteuer einen Facebook Messenger Bot veröffentlicht. Dieser Bot beantwortet einfache Fragen zur steuerlichen Absetzbarkeit, er kann aber auch eine Bitte um Fristverlängerung beim Finanzamt beantragen.
smartsteuer Bot
Der Bot entstand zum größten Teil in einer Woche, als ich mit Grippe daheim im Bett lag. Das liegt daran, dass es bei smartsteuer eigentlich nicht zu meinen Aufgaben gehört, Code zu schreiben. Und in den Wochen vor dem Höhepunkt der Steuersaison hat unsere Entwicklungsabteilung alle Hände voll zu tun, unser eigentliches Produkt zu pflegen und weiterzuentwickeln. Aber Facebook hatte gerade die Messenger API veröffentlich, ich hatte plötzlich Zeit und es gab diese fixe Idee:
Wir bezeichnen den Ablauf in der Steuererklärung bei smartsteuer als „Interview“. Mit unserer laufenden Kampagne hatten wir plötzlich mit dem Steuermann eine Person, die unser Produkt verkörperte. Warum also nicht mal die Steuerfragen wirklich als Interview, als Konversation gestalten?
Ich habe damit angefangen, einfache „Kann ich xyz absetzen“ Fragen auf Basis unserer über die letzten Monate gesammelten Artikel bei www.kann-man-das-absetzen.de zu beantworten. Danach kamen einfache Begriffserklärungen wie „Was ist eine Steuernummer?“, „Was kostet smartsteuer?“.
In den ersten Tests mit Kollegen stellte sich schnell raus, dass die Aufbereitung dieser Daten als Chat statt einer Suchmaske fast von selbst dazu führt, dass man mit dem Bot „menschenählicher“ kommuniziert. Man beginnt mit einer Begrüßung, man bedankt sich ordentlich und verabschiedet sich. Und ja, man scherzt auch mal und fragt nach dem Wetter oder den Lottozahlen. Jede nicht vom Bot beantwortete Frage habe ich mitgeloggt und war Ansporn, beim nächsten Mal eine Antwort zu liefern. So stieg sehr schnell die Komplexität des Systems, aber damit auch die Möglichkeiten. Der Bot konnte plötzlich auch Nachfragen stellen und komplexere Dinge machen als nur in einer Liste nachschlagen.
Es war kurz vor Ende Mai, Steuerstichtag. Und ich musste – jaja, peinlich ich weiß – selbst noch meine Steuererklärung machen, würde aber nicht dazu kommen. Ich hatte also ein Problem, das ich mit vielen unserer Kunden teilte. Und ich hatte ein neues Spielzeug. Was lag also näher, als das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden? 2 Stunden später habe ich via Bot meine Fristverlängerung beim Finanzamt beantragt.
Das war letzten Freitag. Der Bot war immer noch ein Feierabendprojekt von mir. Aber der Zeitpunkt war günstig und wir wollten wissen, ob die Nutzer schon so weit sind. Steuererklärung in der Cloud? Längst kein Thema mehr. Aber Steuererklärung über Facebook mit einem Bot? Nicht so selbstverständlich.
Also habe ich mich nach Rück- und Fürsprache mit den Kollegen überwunden und mein noch kleines, verletzliches Baby der Öffentlichkeit zum Ausprobieren vor die Füße geworfen. Wohlwissend, dass der Bot eben noch nicht sehr viel weiß. Aber ohne echte Nutzer mit echten Fragen, Vertippern, Umgangssprache, Abkürzungen etc. würde der Bot auch nicht besser werden. Also musste Traffic drauf. Das drohende Fristende war ein guter Aufhänger und so haben wir ein paar Journalisten angeschrieben und auf Facebook unseren Prototpyen geteilt. Und oh Wunder: Er wurde tatsächlich angenommen! Ungefähr 100 Leute haben auf den letzten Drücker allein am letzten Tag, dem 31. Mai, ihre Fristverlängerung via Bot beantragt.
Damit verdient man kein Geld und das sind auch noch keine überwältigenden Zugriffszahlen. Aber es ist ein Anfang. Und es zeigt, wohin die Reise geht.

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